Funktionales Stimmtraining

1. Anatomie - Körpersprache

Unsere Anatomie kann Auskunft geben über mögliche Anlagen der Stimme. So kann ein langer oder kurzer Hals, sowie ein kurzer oder längerer Oberkörper Auskunft geben über die Stimmlage der Sängerin oder des Sängers.

2. Ernährung

Mit bewusster Ernährung kann man Stimmkraft, Tiefe und Höhe der Stimme gezielt trainieren, um ein besseres Zusammenspiel der Muskelgruppen im und um den Hals und Oberkörper zu erreichen.

3. Musikalität

Kann man (oder Frau) nicht erzwingen, aber sie kann über den Weg emotionaler Intelligenz angeregt werden.

4. Körperspannung

Wer nicht genügend Körperspannung hat muss zur "Krücke" greifen, was man "Stützen" nennt.

5. Stimmlage & Tessitura

Meine Schüler erreichen alle einen großen Stimmumfang (mindestens 3 Oktaven) durch eine gezielte und achtsame Herangehensweise. Ein hohes C macht noch keinen Sopran oder Tenor. Die Stimmlage, in welcher wir fast unermüdlich singen können entscheidet über unser Stimmfach (z. B. Mezzosopran, Bariton usw.).

6. Intuition

Fachliches Wissen und Intuition sollten im Einklang miteinander sein, wobei die Intuition hierbei uns zu einem Wissen führen kann, das wir oft nicht so leicht erdenken könnten. Daher bestimmt in meiner Gesangstunde jeder Student den Verlauf der Unterrichtsstunde, bewusst oder unbewusst, selber mit.

7. Gehör

Nicht immer, wenn wir neben dem Ton singen ("off pitch"), hat das mit unserem "Höhren" direkt zu tun; es kann auch andere Ursachen haben, die teilweise sogar aus der Kindheit herrühren können.

8. Körperbewusstsein

Körperbewusstsein und Atmung im Einklang ist ein erstrebenswertes Ziel. Meist schweifen wir mit unseren Gedanken ab. Unsere Gedanken aber können mit der Zeit fokussiert werden auf Körperwahrnehmung und der damit verbundenen Atmung, bzw. dem Atemfluss. Gezielte Bewegungsabläufe von Armen und Beinen stehen in Korrespondenz mit dem reflektorischen Schließen der Stimmlippen, einhergehend mit Atemfluss und entsprechendem Rhythmus.

9. Psyche & Emotionen

Geführte und bewusste Atmung beim Singen kann in manchen Fällen Blockaden lockern und ungekannte Empfindungen initiieren, bzw. auslösen. Es gibt hierzu, zum Thema Atemfluss und Emotionen, sehr viele akustische Beispiele auf CD oder auf YouTube zu hören, welche ich, je nach Gelegenheit, in der Gesangsstunde vorführe. Unsere Gesellschaft ist momentan noch sehr stark IQ- orientiert; aber zum Singen braucht es etwas mehr: den EQ = Emotional Quotient = Emotionale Intelligenz. Es kann auch die Ausdehnung einer Wahrnehmung, eines Gewahrseins anregen.

10. Begeisterung/Inspiration

Inspiration (Lateinisch = inspiratio = Beseelung; Einhauchung; Medizinisch = Einatmungsvorgang)

INSPIRATION: Atem ist Leben.

Atem ist die Essenz von physischem Leben. Den Atem des Lebens einhauchen. Singen und sprechen ist ein Vorgang der Seele, bei welchem wir Leben einhauchen können, in das, was wir besingen, besprechen. Wer entsprechend singt kann mit der Zeit bewusster und tiefer atmen. Wer singt ist näher zum Atem des Lebens und auch näher zur Inspiration. Wenn aber Singen mit dem Atem des Lebens einhergeht, ist der, der singt, auch mit der Essenz des Lebens verbunden? Bewusst oder unbewusst? Inspiration, beziehungsweise Singen, ein Mediator der Essenz?